Die Entdeckung einer bisher unbekannten Tür - ein Teilnehmer erzählt von seiner Heldenreise mit einem Pferd

... in einem kurzen Moment, spüre ich aus meiner Tiefe, ein besonderes, bisher unbekanntes Gefühl. Ich kann es nicht mit Worten beschreiben. Es ist, wie wenn ich selbst in meinen eigenen Keller hinabgestiegen bin und dort eine versteckte, bisher unbekannte Tür finde, die sich mir wie von selbst öffnet ...

"Meine Heldenreise mit einem Pferd - dem inneren Ruf folgen. Das hört sich vielleicht abenteuerlich an, wie wenn man etwas Großes vorhat. Und doch vollzieht sich vieles an Veränderung in kleinen Gesten, fast nebensächlichen Episoden. So wie in einer meiner letzten Heldenreisen-Stunden. 

Die Aufgabe war: Nähere dich Nawar, nimm etwas zum Striegeln des Pferdes mit. Dann versuche, herauszufinden, ob er es will. Sei trotzdem ganz bei dir. Sei achtsam.


Ein Pferd striegeln - für jemanden, der ein Pferd hat, eine alltägliche Aufgabe. Und doch merke ich, dass die Annäherung an das Tier nichts Alltägliches hat. Mit mir unterwegs ist meine Geschichte, meine Ungeduld, meine Erwartungshaltung mir selbst gegenüber. Und doch versuche ich, dieses "Einfach-So" in meine Annäherung hineinzunehmen.


Die erste Bürste, die ich wähle, ist zu weich. Nawar dreht sich weg, ist irgendwie nicht interessiert. Vielleicht doch keine Streicheleinheiten, sondern eher etwas handfestes. Ich wähle ein etwas gröberes "Werkzeug". Nawar bleibt stehen, ich versuche ihn gleichmäßig, nicht gegen den Strich zu bürsten. Ich merke, wie sich seine Aufmerksamkeit mir zuwendet. ich glaube, ich habe eine Stimmung gefunden, in der wir uns begegnen können.



Es ist  - irgendwie - ein Geben und Nehmen. Mir kommen viele Gedanken in den Sinn. Eher Gedankenfetzen: Dinge, dich mich bewegen, Wichtiges, Unwichtiges, der Zielsatz meiner Heldenreise, die Frage des "Was mache ich hier eigentlich?". Doch die Gedanken setzen sich nicht fest, sie dürfen kommen und sie dürfen auch wieder gehen. Ich versuche, behutsam zu sein. Meine Bewegungen sollen fließend sein, ich spüre auch Respekt vor dem Lebewesen Pferd, das ganz ruhig aber doch sehr aufmerksam vor mir steht. Es ist dieses "Ganz-Bei-Mir-Sein", das ich immer wieder in besonderen und kurzen Momenten des Innehaltens genießen kann.


Und dann, in einem kurzen Moment, spüre ich aus meiner Tiefe...

ein besonderes, bisher unbekanntes Gefühl. Ich kann es nicht mit Worten beschreiben. Es ist, wie wenn ich selbst in meinen eigenen Keller hinabgestiegen bin und dort eine versteckte, bisher unbekannte Tür finde, die sich mir wie von selbst öffnet. Ich merke, dass dieses Gefühl sehr stark ist und mich auf etwas hinweisen will, was ganz allein zu mir gehört und mit meinem Weg zu tun hat. Und im selben Moment bin ich überzeugt, dass Nawar mir geholfen hat, zu diesem Gefühl zu kommen.


Es war ein Moment der Verbundenheit, der mich mit dem vertraut gemacht hat, worauf es bei Beziehung ankommt: nicht zu fordern, nicht in den eigenen Erwartungen stecken zu bleiben, sondern sich ganz offen beschenken zu lassen. Wenn dies geschieht, kann etwas Neues wachsen, Räume öffnen sich und es kommt das Gefühl einer vorher unerkannten Tiefe und Weite.

Neuland entdecken

Es war schwierig, bei diesem Gefühl zu bleiben, denn ich hatte noch zu große Bedenken, diesen inneren Raum weiter zu erkunden. Wenn man Neuland entdeckt, ist Zurückhaltung der erste Impuls. Aber ich spüre, dass der Weg richtig ist - wie wenn einem auf unbekanntem Terrain einer eine Landkarte in die Hand drückt, die Orientierung für die nächste Strecke gibt. Es war ein kurzer Moment, ein sanftes inneres Anstupsen. Aber ich spüre darin Nachhaltigkeit und diese Verbundenheit macht mir Mut, weitere Schritte auf meinem Weg zu gehen."


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